Lehrer

Er ist am 9. April 1911 in Godula (heute Stadtteil von Ruda Slaska) geboren. Nach dem er das staatliche Lehrerausbildungsseminar für Männer in Tarnowskie Gory absolviert hat, arbeitete er in den Grundschulen in Pawlow (heute Stadtteil von Zabrze) und in Nowa Wies (Heute heißt der Ort Wirek – Stadtteil von Ruda Slaska).
Seine große Leidenschaft war die Musik. In den Jahren von 1934 – 1936 agierte er als Dirigent des Chores „Lutnia“ in Pawlow, dem ältesten polnischen Chor in der Nähe von Zabrze, der am 19. März 1919 ins Leben gerufen worden war. In den turbulenten Zeiten der Schlesischen Aufstände und des Plebiszits sind Mitglieder des Chores von den deutschen Machthabern verfolgt worden. Erst nach der Wiederentstehung Polens, wo Teile Oberschlesiens zusammen mit dem Pawlow Teil im Jahr 1922 zu Polen wurde, konnte sich der Chor „Lutnia“ frei entfalten.
Nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges hat Leon Janista seine Arbeit verloren und hat von seinen Eltern Unterhalt bekommen. Im April 1940 ist er von den Deutschen in seinem Zuhause inhaftiert worden. Er ist ins KL Dachau transportiert worden und später ist er ins KL Mauthausen-Gusen verlegt worden. Dort ist er zur Arbeit im Steinbruch Wiener Graben abgesandt worden.
Ich kann mich erinnern, als seine Träume zurückkehrten: ich habe wieder von den Steinen geträumt – erzählte seine Tochter Felicja. Nach elf Monaten ist er aus dem KL entlassen worden und kehrte nach Godula zurück. Im März 1941 hat ihn meine Mutter während der heiligen Messe in der Kirche gesehen. Anfangs konnte sie ihn nicht wiedererkennen, obwohl er zusammen mit seinen Familienmitgliedern saß. Er war total erschöpft, geschwollen und nur mit großer Mühe konnte er sich mit Krücken fortbewegen. Als er wieder zu Kräften gekommen ist, hat er die Lehrerin Hildegarda Krompiec aus Ruda Chebzie geheiratet. Im selben Jahr ist er zu dem Dienst als Schreiber bei der Wehrmacht berufen worden, wo er ins von den Deutschen besetzten Frankreich verlegt worden ist. Während seiner Abwesenheit ist im Juli 1943 seine Tochter Felicja zur Welt gekommen. Nach seiner Desertion aus der Wehrmacht ist es ihm gelungen in die Schweiz zu kommen und später hat er Anschluss zu polnischen Streitkräften gefunden. Das Ende des Krieges hat er in Großbritannien erlebt. Dort hat er seinen Bruder wieder getroffen, der die Familie über Leons Schicksal informiert hat.
Nach dem Ende des Krieges wollte Vater nicht zurück nach Polen kommen und er hat sich bemüht seine Frau zusammen mit der Tochter nach England zu holen. Sie hat jedoch auf Grund des Einflusses ihrer Mutter, die ihre Tochter und Enkelin nicht auswandern lassen wollte, entschieden daheim zu bleiben. Daraufhin hat der Vater beschlossen zurück nach Polen zu kommen. Nach seiner Rückkehr im späteren Herbst 1946 hat er erzählt wie schrecklich er die Reise mit dem U-Boot von England nach Frankreich fand. Ich kann mich erinnern, dass nach dem Krieg über eine längere Zeit ein kommunistische Sicherheitsdienst Beamter (pol. Stasi) zu uns nach Hause gekommen ist und mit Vater über irgendetwas gesprochen hat. Seine Besuche waren sehr lästig. Wir und Mutter mussten während der Besuche immer komplett leise bleiben. Dieser Beamter hat meinen Vater mehrmals mit der Pistole bedroht – erinnerte sich Tochter Felicja.
In den weiteren Nachkriegsjahren ist Leon Janista nach Zalesie Slaskie in Region Opole umgezogen, wo er als Lehrer gearbeitet hatte. Von Februar bis September 1952 hat seine Frau die Grundschule geleitet, später leitete Leon Janista die Schule. Er ist im Jahr 1986 verstorben.
Von oben: Lehrpersonal der Grundschule in Pawlow, u.a. Leon Janista (er steht als Dritter von links); Die Schüler der Klasse VII a der Schule in Pawlow im Schuljahr 1937/38 zusammen mit ihrem Lehrer Leon Janista; Porträtfoto von Leon Janista, Dreißigerjahre der 20. Jhdt. Unten: Leon Janista (rechts) als Student des 4. Kurses des Männerlehrerseminars.